Gehen Sie wählen – Sie entscheiden über die Zukunft des Landes

Franz Müntefering in Bad Camberg

"Wenn Sie auf dem Fußballplatz in der 85. Minute stehen, wollen Sie nur noch ein Tor schießen und fragen nicht, mit wem Sie nach dem Spiel duschen," antwortete Franz Müntefering auf die Frage nach möglichen Koaltionen nach der Wahl. Gleichzeitig stellte er klar, dass die SPD eine Gesellschaft anstrebt, in der jeder Mensch gleich viel wert ist. "Alle müssen die gleichen Chancen und Möglichkeiten haben, keiner darf mehr wert sein, weil er mehr Geld hat, fitter ist als andere, einen deutschen Pass hat usw.," führte er gleich zu Beginn seiner Rede aus. "Auch die Gleichstellung zwischen Mann und Frau ist erst vollzogen, wenn Männer und Frauen gleich viel verdienen. Wir müssen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ernst nehmen. Das Betreuungsgeld werden wir ganz schnell rückgängig machen – wir brauchen das Geld für etwas anderes als dafür, dass Kinder zuhause bleiben."
Auch die Rolle der Städte und Gemeinden nahm Müntefering ins Visier: Als Gefahr für die Demokratie bezeichnete er die Pleitekommunen, denn "wenn du vor Ort nichts mehr tun kannst, um vernünftige Kinder- und Jugendpolitik zu machen, für Sportmöglichkeiten und Frauenhäuser zu sorgen usw., dann kann Gesellschaft nicht mehr gelingen". Die Kommunen brauchten Planungs- und Entscheidungsrechte und eine vernünftige Entlastung für ihre Kassen. "Es ist höchste Zeit, dass sich Bund, Länder und Kommunen an einen Tisch setzen und die Aufgaben festlegen, denn es kann nicht sein, dass den Kommunen alles Unangenehme aufgelastet wird. Vor Ort muss die soziale Gesellschaft sein", ergänzte Müntefering. Zuletzt ging er auf Angela Merkel ein, die er als "Königin ohne Land" bezeichnete. Sie löse die Probleme nicht, alles was schwierig ist, werde nicht gemacht. Technisch sei sie gut, wenn man sie in ein Flugzeug setze, stürze sie nicht ab, man sei sicher im Flugzeug – nur wisse keiner, wo die Landung sein wird. "Deshalb braucht es wieder eine Regierung, die weiß, wo die Reise hin geht – Deutschland braucht eine sozialdemokratisch geführte Regierung," erklärte der ehemalige SPD-Vorsitzende.